in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.

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Fachausschuss „Virusinfektion und Schwangerschaft“ (DVV/GfV e.V.) Tätigkeitsbericht 2014/15

Vorsitz: Susanne Modrow (Regensburg),
Stellvertreterin: Daniela Huzly (Freiburg)

Mitglieder: Martin Enders (Stuttgart)
Ioannis Mylonas (München)
Annette Mankertz (Berlin)
Markus Knuf (Mainz/Wiesbaden)
Klaus Hamprecht (Tübingen)

Barbara Gärtner (Präsidentin DVV e.V.)
Heinz Zeichhardt (stellvertr. Präsident DVV e.V.)

1. AWMF-Leitlinie S2k: Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektonen ist veröffentlicht
Auf der Sitzung des Fachausschusses (Erfurt, September 2009) war beschlossen worden, eine AWMF-Leitlinie "Virusinfektionen in der Schwangerschaft" zu verfassen, welche die diagnostischen Fragestellungen grundlegend regelt und unter Einbeziehung des aktuellen Wissens- und Technikstands festschreibt. Die Anmeldung bei der AWMF erfolgte im April 2010 und wurde unter der Nummer 93/001 (Titel der S2k-Leitlinie: "Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen) registriert. Es handelte sich um die erste Leitlinie, die unter der Federführung der Fachgesellschaften für Virologie in Deutschland bei der AWMF angemeldet wurde.

Im Januar/Februar 2014 wurde die Leitlinie den Präsidien der beteiligten Fachgesellschaften (Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, DVV e.V.; Gesellschaft für Virologie, GfV e.V.; Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, DGGG e.V., Berufsverband der Frauenärzte, BvF e.V.; Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, DGPI e.V.; Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, GNPI e.V., Berufsverband der Ärzte für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Bämi e.V.) vorgelegt; in allen Fällen erfolgte eine uneingeschränkte Zustimmung zu den Empfehlungen. Im Vorfeld zur Akzeptanz durch die Präsidien der beteiligten Fachgesellschaften hatte Kommission während der vorangegangenen Jahre den Text erarbeitet und sich 2013 nach zwei abschießenden Diskussionsrunden in Frankfurt/Main (April 2013) und Wiesbaden (Oktober 2013) zur Konsensuskonferenz in Frankfurt/Main (November 2013) getroffen, die unter der Moderation und Leitung von PD. Dr. Sitter (AWMF; Universität Marburg) stattfand. Im Anschluss wurden die Protokolle und der Leitlinienreport erstellt sowie abschließende Änderungen des Textes abgestimmt. Im März 2014 wurde die Leitlinie bei der AWMF eingereicht; dort prüften die zuständigen Gremien den Text und stimmten ebenfalls der Veröffentlichung zu.

Die Leitlinie kann seit Anfang Mai 2014 unter dem Titel „Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen“ über die Homepage der AWMF (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/093-001.html) aufgerufen werden; ein entsprechender Link ist auch über die Web-Seite der DVV e.V. verfügbar. Im Mai wurde das Manuskript an den Springer-Verlag (Heidelberg), um die Veröffentlichung in 2

gedruckter Buchform in die Wege zu leiten. Dabei wurden Text und Tabellen graphisch neu gestaltet und den verantwortlichen AutorInnen zur erneuten Korrektur vorgelegt. Die Umbruchkorrekturen wurden Ende Juli 2014 von den beiden Vorsitzenden vorgenommen. Das Buch ist seit Ende September 2014 im Handel verfügbar („S2k-Leitlinie schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen“, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg; ISBN 978-3-662-43480-2, Preis: 39,99 €).

2. Weiterführende Maßnahmen zur Verbreitung der Empfehlungen
Für das „Epidemiologische Bulletin“ des RKI wurde ein kurzer Artikel verfasst, der auf die Empfehlungen der neuen Leitlinie hinweist und Ende Mai 2014 veröffentlicht wurde (www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2014/Ausgaben/21_14.pdf;jse...). Weitere Artikel für das „Deutsche Ärzteblatt“ und die Zeitschrift „Der Frauenarzt“ sind in Vorbereitung bzw. eingereicht.

Die Leitlinie wurde auf mehreren nationalen Tagungen (Berufsverband der Frauenärzte; 03/14, Fortbildungsveranstaltungen DiaSorin Deutschland; 02/14; und Österreich; 09/14; Mikrogen; 05/14 und Virion/Serion; 04/15) in Vorträgen vorgestellt. Die Vorsitzende des Fachausschusses referierte Ende September 2014 über die Empfehlungen in einem Vortrag auf der Tagung der European Society of Clinical Virology (ESCV) in Prag referiert, im Oktober 2014 erfolgte ein weiterer Vortrag auf der Tagung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG e.V.) in München. Weitere Referate sind auf der Arbeitstagung der Arbeitsmedizin der Ev. Kirche in Dresden, im Rahmen der Jahrestagung 2016 der DGAUM e.V. (Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin) ist vorsehen, die Thematik in einer ganzen Sitzung abzuhandeln.

Vom 11.-12. März 2015 fand an der Universität Regensburg der Workshop „Congenital viral infection“ satt, der von der Vorsitzenden organisiert und von der ESCV finanziert wurde. An ihm nahmen insgesamt über 80 FachwissenschaftlerInnen teil, von denen über 40 von der ESCV finanziell gefördert wurden. Alle ESCV Mitglieder können die Vorträge und vorgestellten Fallbeispiele im Internet über die Web-Seite der ESCV einsehen und aufrufen (www.escv.org/). Desweitern wurde zu der behandelten Thematik von der ESCV-Medroom ein E-Learning-Programm erstellt (ebenfalls über die Hompage abrufbar), dessen erfolgreiche Absolvierung von der Österreichischen Medizinischen Gesellschaft mit CME-Punkten belohnt wird.

Die Integration der Empfehlungen in eine entsprechende europäische Leitlinie in Kooperation mit den VertreterInnen des ESCV wurde diskutiert, der dafür notwendige Prozess wurde jedoch als sehr langwierig und schwierig eingeschätzt. Stattdessen beschloss der Vorstand der ESCV im Rahmen der Jahrestagung in Edinburgh (9.-12. September 2015), die Erstellung von position papers zu einigen ausgewählten Themen, die unter Einbeziehung der Mitglieder des Fachausschusses und Fachwissenschaftler der anderen europäischen Länder erstellt und im Journal of Clinical Virology veröffentlicht werden sollen. Als mögliche Themen wurden „Diagnostik/Umgang mit impfpräventablen Infektion in der Schwangerschaft“ und/oder „Diagnostik/Management bei congenitaler CMV-Infektion in der Schwangerschaft“ vorgeschlagen.

Die Empfehlungen der Leitlinie fanden bereits Eingang in verschiedene Positionspapiere, beispielsweise der Fachgesellschaften für Orthopädie und Chirurgie (www.opids.de/tools.htlm), die eine Änderung der Mutterschutzrichtlinien fordern. Mit der für Fragen zum Mutterschutz zuständigen Vertreterin der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Frau Dr. Monika Mund) wurde auch von unserer Seite her Kontakt 3

aufgenommen. Ihr wurde die Leitlinie zugeleitet mit dem Ziel, dass bestimmte Empfehlungen in die Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen und dort verankert werden. Diese Gespräche sind noch nicht abgeschlossen.

3. Sitzung des Fachausschusses 2015
Die Mitglieder des Fachausschusses trafen sich am 10. März 2015 zu einer Sitzung. Es wurde besprochen, dass Punkte und Fragestellungen gesammelt werden sollen, die sich bei Gebrauch der Leitlinie durch die Nutzer ergeben. Diese sollten diskutiert und gegebenenfalls bei einer Neuauflage berücksichtigt bzw. auch im Vorfeld neu formuliert werden. Eine weitere Sitzung des Fachausschusses war während der DVV-Tagung in Erfurt geplant, musste aber verschoben werden, da die überwiegende Mehrheit der Mitglieder keinen Besuch des Kongresses eingeplant hatten.

4. Stellungnahme zur Änderung der Mutterschaftsrichtlinien
Der G-BA bat den Präsidenten der GfV e.V. um Stellungnahme zu einer Änderung der Mutterschaftsrichtlinien. Diese Änderung betrifft den HIV-Test, dessen Durchführung ohne Angabe des Ergebnisses im Mutterpass eingetragen werden soll. Die Vorsitzende des Fachausschusses wurde gebeten, eine entsprechende Stellungnahme zu verfassen. Nach Rücksprache mit den Mitgliedern des Fachausschusses wurde dieser Eintrag in den Mutterpass unterstützt.

5. Initiative zur Einrichtung einer "Ständigen Kommission zu infektiologischen Fragen während der Schwangerschaft"
Um langfristig eine bundeseinheitliche und wissenschaftlich begründete Regelung zum Umgang mit infektionsbedingten Risiken für Schwangere allgemein sowie für solche in bestimmten Berufsfeldern zu erreichen, wurde bereits 2011 die Einrichtung einer entsprechenden Kommission am Bundesministerium für Familie, Jugend, Frauen und Senioren vorgeschlagen. Ihre Ausgestaltung war mit der zuständigen Ministerialrätin (Frau J. Struck) diskutiert. Unabhängig von unserem Vorstoß kam ein ähnlicher Antrag von einigen Berufsverbänden, so dem Deutschen Ärztinnenbund und der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Das Ministerium sah sich nicht zuletzt aufgrund der Initiative des Fachausschusses und dem Druck der Berufsverbände aufgefordert, eine Änderung des Mutterschutzgesetzes in Angriff nehmen, die noch in dieser Legislaturperiode erfolgen soll. Ein erster Entwurf, der den Fachgesellschaften/Verbänden zur Einsicht und Diskussion vorgelegt werden wird und der - laut Auskunft von Frau Struck - eine entsprechende Beratungskommission verankert, ist im ersten Quartal 2016 zu erwarten.

November 2015 Susanne Modrow