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Nachruf auf Dr. Günther Keil, 1953 – 2020


Am 18. Februar 2020 verstarb Günther Keil völlig unerwartet kurz nach seinem Eintritt in den Ruhestand in Templin.


Günther Keil wurde 1953 in Großenhain nahe Dresden geboren und wuchs in Singen am Hohentwiel auf. Er studierte in Konstanz Biologie, wo er 1978 mit einer Diplomarbeit über Kern-assoziierte Proteinkinasen bei Rolf Knippers, dem Nestor molekularbiologischer Forschungmethoden in Deutschland, graduierte. Seine Doktorarbeit fertigte er in Erlangen bei Bernhard Fleckenstein an, wo er sich mit Herpesviren beschäftigte, die dann auch sein künftiges Hauptarbeitsgebiet bleiben sollten. 1981 wechselte er als Laborleiter in die Arbeitsgruppe von Ulrich Koszinowski an die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (heute: Friedrich-Loeffler-Institut) nach Tübingen, von wo er 1995 auf die Insel Riems bei Greifswald wechselte. Während er in Erlangen an Herpesviren von Primaten arbeitete, setzte er in Tübingen seine molekularbiologischen Untersuchungen mit dem murinen Cytomegalievirus fort. Anschließend richtete er seine Aufmerksamkeit auf bovine Herpesviren. In den letzten Jahren konzentrierten sich seine Forschungsaktivitäten dann auf das Virus der Afrikanischen Schweinepest. Nicht nur diese DNA-Viren, auch RNA-Viren, wie das Hepatitis A-Virus, Pneumoviren, Flaviviren oder Influenza A-Viren gehörten zu seinen Untersuchungsobjekten. Seine Fragestellungen bezogen sich auf virologische, immunologische, methodische und diagnostische Aspekte sowie auf die Entwicklung von Impfstoffen. Besonders interessiert war er an der Aufklärung der Funktion viraler Proteine, an der Verbesserung der Antigenpräsentation zur Stimulierung der T-Zell-Antwort, an der Manipulation viraler Genome zur Attenuierung und an Deletions- und Vektor-Vaccinen. Er war kein Wissenschaftler im Mainstream, aber über 150 Publikationen, darunter in Science und PNAS, belegen seine erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit und über 50 Koautoren dokumentieren seine erfolgreiche Einbindung in die Wissenschaftsgemeinde.


Als Direktor und Professor sowie als stellvertretender Leiter des Instituts für molekulare Virologie und Zellbiologie am Riemser Insitut wirkte er an dessen Neuaufbau mit und war für die Biologische Sicherheit verantwortlich. Er war gegenüber seinen Kollegen jederzeit zu Rat und Unterstützung bereit und teilte seine immense Erfahrung selbstlos mit anderen.


Günther Keil bildete eine große Anzahl junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus. Er war für seine Schüler und wissenschaftlichen Weggefährten ein wichtiger Orientierungspunkt. Seine Begeisterung für virologische Fragestellungen war ansteckend und als Experimentator war er ein großes Vorbild. Er erwartete den von ihm gezeigten vollen Einsatz auch von seinen Schülern, hat sie aber immer unabhängig vom Erfolg unterstützt. Man konnte von ihm die kritische Betrachtung von Daten lernen, insbesondere der eigenen, sowie eine gradlinige Haltung. Im Auftreten war er bescheiden und unkonventionell, aber bestimmt.


Wir verlieren mit Günther Keil einen engagierten Wissenschaftler, hoch geschätzten Kollegen und guten Freund. Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Freunden.


Thomas C. Mettenleiter und Andreas Dotzauer