in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.

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Aktuelle Informationsseite zum neu aufgetretenen SARS-CoV-2 (Stand 03.03.2020)

Update vom 03.03.2020

 

Aufgrund der sich rasch entwickelnden COVID-19-Situation und der gegenwärtigen hohen Arbeitsbelastung nicht nur der universitären virologischen Institute werden bis auf weiteres keine regelmäßigen Updates zu COVID-19 an dieser Stelle publiziert. Wir verweisen freundlich auf die u. g. Webseiten (RKI u. a.), die täglich aktualisiert werden. Wir danken für Ihr Verständnis.

 

Seit dem letzten Update erfolgte eine Umbenennung des Erregers in SARS-CoV-2, die damit verbundene Erkrankung heißt COVID-19 (Coronavirus disease 2019)

Die Zahl der COVID-19-Fälle hat sich aufgrund einer Veränderung der Falldefinition in der Provinz Hubei deutlich verändert. Inzwischen werden auch Fälle ohne labordiagnostische Bestätigung erfasst. Es ist von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Neue Erkenntnisse deuten an, dass sich der Erreger ähnlich leicht übertragen lässt wie der Erreger der Grippe (Influenza). Die Erkrankung selbst scheint in der großen Mehrzahl der Infektionen jedoch leicht zu verlaufen.

Das Robert-Koch-Institut wies vor kurzem auf die Möglichkeit einer weltweiten Ausbreitung des Erregers  hin (sog. Pandemie).

Seit dem 1. Februar 2020 besteht für das neuartige Coronavirus eine Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz.

Mit Stand vom 6. Februar sind in Deutschland 13 2019-nCoV-positive Fälle gemeldet. Dabei handelt es sich zu einen um eine Häufung von Fällen, die in Zusammenhang mit einer Firma in der Nähe von München stehen. Zum anderen um 2 Personen, die im Rahmen einer Rückholaktion aus China nach Deutschland gebracht wurden. Diese beiden Fälle werden im Frankfurter Universitätsklinikum betreut. Allen 13 Fällen in Deutschland geht es zurzeit gesundheitlich gut und medizinisch unauffällig. In der Schweiz und Österreich sind keine Fälle nachgewiesen worden (Stand 7.02.2020).

Aktuelle Zahlen, betroffene Länder und weitere wichtige Entwicklungen sind unter den u. g. Links zu finden.


Anfang des Jahres 2020 wurde aus der Volksrepublik China über eine Häufung von Fällen mit akut verlaufender Lungenentzündung unklarer Ursache berichtet. Diese ersten Fälle traten in Wuhan in der Provinz Hubei auf.

Inzwischen konnte ein neues SARS-ähnliches Virus als Erreger identifiziert werden [3]. Dieser neue Erreger (vorläufig bezeichnet mit 2019-nCoV) gehört zur Familie der Coronaviren (CoV; Genus Beta-Coronavirus), die sowohl beim Menschen als auch bei Säugetieren vorkommen. Die Herkunft des 2019-nCoV ist bisher noch nicht geklärt, auffällig ist jedoch seine sehr enge genetische Verwandtschaft mit CoV, die in Fledermäusen beschrieben wurden. Die Sequenzidentität zum SARS-Coronavirus beträgt ca. 80%.

Infektionen mit CoV können leicht verlaufende Erkältungskrankheiten bis hin zu schwer verlaufenden Pneumonien hervorrufen. Das 2019-nCoV scheint mit klinisch schwereren Verläufen (Pneumonien) einherzugehen, es traten bereits Todesfälle auf [1]. Diese traten bisher v. a. bei vulnerablen Patienten, wie z. B.  ältere Patienten mit Grunderkrankungen, auf. Ob und wie häufig leicht verlaufende oder sogar asymptomatische Infektionen stattfinden, ist zurzeit unklar. Man geht von einer Inkubationszeit (d. h. die Zeitdauer zwischen Infektion und Auftreten der ersten Symptome) von bis zu 14 Tagen aus. Ob eine infektionsepidemiologisch relevante Ansteckungsfähigkeit bereits vor Auftreten der Symptome besteht, ist zurzeit noch unklar. Gerade aus diesem Grund stellt das erstmalige Auftreten dieses neuen Erregers in der menschlichen Bevölkerung eine große Herausforderung für die betroffenen Gesundheitssysteme dar.

Inzwischen gilt es als gesichert, dass es zu Mensch zu Mensch Übertragungen kommen kann [2]. Übertragungen finden offensichtlich überwiegend über Tröpfchen- und/oder Schmierinfektionen statt. Nosokomiale, d. h. im Krankenhaus erworbene Infektionen sind dokumentiert. Das genaue Ausmaß und weitere Übertragungswege sind gegenwärtig noch unklar. Um weitere Übertragungen einzudämmen, sind konsequente Präventions- und Hygiene-Maßnahmen notwendig. Wichtige persönliche Präventionsmassnahmen sind das regelmäßige Händewaschen und eine Husten-und-Nieß-Etikette, die auch bei allen anderen respiratorischen Infektionen zu empfehlen sind.

Das Robert-Koch-Institut hat Falldefinitionen und ein Flussschema zum Vorgehen bei Verdachtsfällen veröffentlicht. Hierzu gehört u. a. auch das rasche Erkennen von importierten Fällen. Zur Diagnostik stehen molekulare Nachweisverfahren zur Verfügung, die eine mögliche Infektion innerhalb von wenigen Stunden im Labor nachweisen können. Ein Protokoll zum Nachweis von 2019-nCoV-Infektionen ist seit kurzem verfügbar. Eine Übersicht über virologische Universitätsinstitute, die eine Testung anbieten, ist auf der GfV-Homepage zu finden. von Das Gesundheitssystem in Deutschland ist auf derartige Situationen gut vorbereitet.

2019-nCoV-Infektionen sind mittlerweile in weiteren Provinzen Chinas als auch als vereinzelte importierte Fälle u. a. in den USA, Kanada, Australien, Frankreich und diverse asiatischen Ländern nachgewiesen worden. Aktuell ist ein deutlicher Anstieg der Infektionen in China zu sehen, der weitere Verlauf ist vollkommen unklar. Auch der genaue Ursprung der Infektionen und deren Verbreitung innerhalb Chinas sind unklar, eine endemische Viruszirkulation in China ist dabei ein realistisches Szenario. Zentrum der Epidemie in China ist gegenwärtig die Provinz Hubei und deren Hauptstadt Wuhan. Die Situation verändert sich allerdings rasch und weitere importierte Infektionen in Europa sind zu erwarten. Am Abend des 27. Januar wurde der erste in Deutschland erworbene 2019-nCoV-Fall in Bayern detektiert. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es auch weiterhin zu importierten Infektionen und Virusübertragungen in Deutschland kommen kann. Das Risiko hierfür wird gegenwärtig als moderat eingeschätzt. Das Robert-Koch-Institut stellt hierzu umfangreiche tagesaktuelle Informationen zur Verfügung.

Prof. Dr. med. Marcus Panning
Institut für Virologie
Universitätsklinikum Freiburg
03.03.2020

Links:
1.    Robert Koch Institut Berlin
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html
2.    ECDC
https://www.ecdc.europa.eu/en/novel-coronavirus-china
3.    WHO
https://www.who.int/health-topics/coronavirus
4.    Auswärtiges Amt
https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/china-node/chin...
5.    Deutsches Ärzteblatt
https://www.aerzteblatt.de/
6. Tagesaktuelle Informationen zum Coronavirus vom Bundesministerium für Gesundheit
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/coronavirus.html
7. Corona-Virus: Fragen und Antworten vom BMI
https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/bevoelkerungsschutz/co...
8. Förderaufruf zur Erforschung von COVID-19 im Zuge des Ausbruchs von Sars-CoV-2
https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/10592.php

Referenzen
1.    Chaolin Huang, Y.W., Xingwang Li, Lili Ren, Jianping Zhao, Yi Hu, Li Zhang, Guohui Fan, Jiuyang Xu, Xiaoying Gu, Zhenshun Cheng, Ting Yu, Jiaan Xia, Yuan Wei, Wenjuan Wu, Xuelei Xie, Wen Yin, Hui Li, Min Liu, Yan Xiao, Hong Gao, Li Guo, Jungang Xie, Guangfa Wang, Rongmeng Jiang, Zhancheng Gao, Qi Jin, Jianwei Wang, Bin Cao, 2020. Clinical features of patients infected with 2019 novel coronavirus in Wuhan, China. Lancet.
2.    Jasper Fuk-Woo Chan, S.Y., Kin-Hang Kok, Kelvin Kai-Wang To, Hin Chu, Jin Yang, Fanfan Xing, Jieling Liu, Cyril Chik-Yan Yip, Rosana Wing-Shan Poon, Hoi-Wah Tsoi, Simon Kam-Fai Lo, Kwok-Hung Chan, Vincent Kwok-Man Poon, Wan-Mui Chan, Jonathan Daniel Ip, Jian-Piao Cai, Vincent Chi-Chung Cheng, Honglin Chen, Christopher Kim-Ming Hui, Kwok-Yung Yuen, 2020. A familial cluster of pneumonia associated with the 2019 novel coronavirus indicating person-to-person transmission: a study of a family cluster. Lancet.
3.    Na Zhu, P.D., Dingyu Zhang, M.D., Wenling Wang, Ph.D., Xinwang Li, M.D., Bo Yang, M.S., Jingdong Song, Ph.D., Xiang Zhao, Ph.D., Baoying Huang, Ph.D., Weifeng Shi, Ph.D., Roujian Lu, M.D., Peihua Niu, Ph.D., Faxian Zhan, Ph.D., Xuejun Ma, Ph.D., Dayan Wang, Ph.D., Wenbo Xu, M.D., Guizhen Wu, M.D., George F. Gao, D.Phil., and Wenjie Tan, M.D., Ph.D. for the China Novel Coronavirus Investigating and Research Team, 2020. A Novel Coronavirus from Patients with Pneumonia in China, 2019. N Engl J Med.