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Michael F. G. Schmidt

1946 – 2019


Die Gesellschaft für Virologie trauert um Michael Schmidt, der am 17.02.2019 im 73. Lebensjahr verstorben ist.

Er begann seine wissenschaftliche Karriere in Gießen, wo er nach dem Studium der Biologie am Institut für Virologie bei Christoph Scholtissek über die Glykosylierung viraler Glykoproteine promovierte. Mit Hilfe spezifischer Inhibitoren gewann er Einblicke in die funktionelle Bedeutung dieser Kohlenhydratstrukturen, über die damals noch wenig bekannt war. Während eines von der DFG im Anschluss geförderten Forschungsaufenthaltes an der Washington University in St. Louis, USA, konnte er erstmals zeigen, dass virale Glykoproteine kotranslational acyliert werden und dass diese Modifikation entscheidend für deren Membranverankerung und Fusionsaktivität ist.

Diese Arbeiten hat er ab 1980 am Gießener Institut fortgesetzt und dort mit der Habilitation für die Fächer Virologie und Biochemie am Fachbereich Veterinärmedizin abgeschlossen. 1986 folgte er einem Ruf auf eine Professur an der Universität von Kuwait, die er in der Folge der Kuwait-Krise 1990 wieder aufgeben musste.

Zurück in Deutschland, übernahm er die Leitung des Instituts für Immunologie und Molekularbiologie des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Hier führte er mit Erfolg die Untersuchungen zur funktionellen Bedeutung postsynthetischer Modifikationen viraler Hüllproteine weiter und studierte den Einfluss probiotischer Bakterien auf die Immunität und Virusvermehrung. Etliche seiner Publikationen wurden jeweils mehrere hundert Male in der Fachliteratur zitiert.

Stets hat Michael Schmidt auch übergreifende Verantwortung übernommen, so als Dekan seines Fachbereiches an der FU oder in seiner Heimatgemeinde Seddiner See 40 km südwestlich von Berlin: Hier gründete er einen Verein zur Übernahme des stillgelegten Dorfladens, um Versorgung, Kommunikation und Kultur nicht aus dem Ort verschwinden zu lassen.

Alle, die ihn kannten, werden seine ansteckende Fröhlichkeit und Freude an der Wissenschaft in guter Erinnerung behalten.

Hans-Dieter Klenk, Marburg
Detlev H. Krüger, Berlin