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Die Gesellschaft für Virologie trauert um

ihr Gründungsmitglied und ihren Altpräsidenten Herrn Professor Dr. med. Hans-Dieter Klenk

* 25. Juni 1938 in Köln, † 1. Juni 2021 in Gießen

Hans-Dieter Klenk studierte in Tübingen, Wien und Köln Medizin und Biochemie. Von 1967 bis 1970 war er als Gastwissenschaftler im Labor von Purnell Choppin an der Rockefeller University in New York tätig. Zurück in Deutschland, wurde er 1973 zum C3-Professor an die Justus-Liebig-Universität Gießen berufen und 1985 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Virologie an die Philipps-Universität Marburg und übernahm die Leitung des Instituts für Virologie. Diese Position bekleidete er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2007.

Hans-Dieter Klenk hat die Marburger Virologie sowie die Virologie in Deutschland ganz entscheidend geprägt und ihre internationale Ausrichtung und Sichtbarkeit begründet. Unter seiner Leitung hatten zahlreiche junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Möglichkeit, ihr eigenes wissenschaftliches Profil zu entwickeln und national und international in leitende Positionen berufen zu werden.

Mit dem Namen Hans-Dieter Klenk eng verbunden ist seine sehr erfolgreiche Erforschung von Influenzaviren, insbesondere der Rolle der Oberflächenproteine, des Hämagglutinins und der Neuraminidase in der Pathogenese der Grippe. Weiterhin waren für ihn auch andere zoonotische Viren, die als Emerging Viruses die öffentliche Gesundheit bedrohen, von großem Interesse. Hier konnte er eine neue Forschungsrichtung der Marburger Virologie etablieren, die bis heute sehr aktiv verfolgt wird.

Er leitete zahlreiche koordinierte Programme der Deutschen Forschungsgemeinschaft u.a. den SFB 286 und war als Vorstand für viele wissenschaftliche Beiräte von Forschungsinstitutionen aktiv (Georg-Speyer-Haus, Frankfurt am Main, Feldberg Foundation for Anglo-German Scientific Exchange, Institute of Medical Microbiology, Fudan University).  Er war Gründungsmitglied der Gesellschaft für Virologie und leitete als Präsident die Gesellschaft von 1999 bis 2005. Für seine besonderen Verdienste um die Virologie im deutschsprachigen Raum erhielt er 2015 die Loeffler-Frosch-Medaille der Gesellschaft für Virologie. Der von Behring-Röntgen-Stiftung, Gießen-Marburg, stand er als Vizepräsident seit ihrer Gründung zur Verfügung.

Hans-Dieter Klenk erhielt zahlreiche hochangesehene wissenschaftliche Preise, wie die Robert-Koch-Medaille, die Ernst-Jung-Medaille für Medizin und den Emil-von-Behring-Preis. Außerdem wurde ihm im Jahr 2018 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Hans-Dieter Klenks Persönlichkeit war durch seine natürliche Autorität geprägt, die mit Scharfsinnigkeit und Präzision gekoppelt war.  Mit ihm verliert die Virologie in Deutschland eine ihrer großen Persönlichkeiten, die über Jahrzehnte die wissenschaftliche Landschaft geprägt hat und der bis zuletzt ein geschätzter Ratgeber war.

Wir vermissen den exzellenten Wissenschaftler und den geradlinigen, konsequenten und großzügigen Menschen und werden ihn in bleibender Erinnerung behalten.

Stephan Becker