in Kooperation mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V.

Sie sind hier

Startseite

 

Mit dem Schleppnetz erfolgreich: Forscher entdecken neue Cytomegalovirus-Rezeptoren

Cora Stegmann, Jens von Einem und Christian Sinzger

Das humane Cytomegalovirus (HCMV) gehört zu den humanpathogenen Herpesviren und ist weltweit verbreitet mit einer Prävalenz zwischen 40 und über 90 Prozent. Wie alle Herpesviren verbleibt es nach der Erstinfektion lebenslang im Organismus und kann aus diesem Latenzzustand reaktiviert werden, sich erneut im Körper ausbreiten und über Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden. In der Regel geschehen sowohl die Primärinfektion als auch die Reaktivierung unbemerkt ohne klinische Auffälligkeiten. Bei immunsupprimierten Personen oder bei Infektion des Fetus während einer Schwangerschaft können jedoch Krankheitssymptome in nahezu allen Organen auftreten, wobei insbesondere neuronale Entwicklungsstörungen beim Fetus und die Pneumonie bei immunsupprimierten Patienten klinisch relevant sind. Antiviral wirksame Hemmstoffe viraler Enzyme, die zur Vermehrung und Verpackung des viralen Genoms beitragen, sind zwar verfügbar, ihr Einsatz ist jedoch in einigen Fällen durch Nebenwirkungen oder die Entwicklung von Resistenzen eingeschränkt.
Es ist abzusehen, dass auf der Suche nach neuen antiviral wirksamen Substanzen auch Hemmstoffe des Viruseintritts (Entry-Inhibitoren) an Bedeutung gewinnen werden. Grundlage hierfür ist es, die molekularen Interaktionen bei Adsorption und Penetration zu kennen. Bei HCMV war seit langem vermutet worden, dass ein trimerer Hüllglykoprotein-Komplex (gH/gL/gO, Trimer) und ein pentamerer Hüllglykoprotein-Komplex (gH/gL/pUL128/pUL130/pUL131, Pentamer) beim Viruseintritt zelltypabhängig unterschiedliche zelluläre Rezeptoren benutzen [1,2]. Während der “platelet-derived growth factor receptor alpha” (PDGFRα) kürzlich als Interaktionspartner des Trimers auf Fibroblasten identifiziert und PDGFRα-Derivate als Entry-Inhibitoren von HCMV beschrieben wurden [3–5], war der Rezeptor des Pentamer-Komplexes auf Endo- und Epithelzellen weiter unbekannt.

 

Weiterlesen

 


 

Visualisierung von CMV-Wirtszellinteraktionen
auf Einzelzellebene

Emanuel Wyler

Dringt ein Virus in eine Wirtszelle ein, so entscheidet sich innerhalb weniger Stunden, ob das Virus oder die Zelle die Kontrolle übernimmt. Unterschiede (Heterogenitäten) zwischen den einzelnen Zellen beeinflussen ganz wesentlich diese Entscheidung. Mit bisherigen Methoden war eine Untersuchung der transkriptionellen Veränderungen, welche innerhalb der ersten Stunden der Infektion auftreten, technisch nur sehr begrenzt möglich. Die Mikroskopie oder Durchflusszytometrie können zwar einzelne Zellen vermessen, liefern dabei aber jeweils nur eine sehr limitierte Anzahl an Parametern. Demgegenüber vermag die Einzelzell-RNA-Sequenzierung (scRNA-seq) das Transkriptom, und damit die transkriptionelle Aktivität von Tausenden von Genen, in Hunderten bis Zehntausenden einzelner Zellen zu bestimmen. So hat scRNA-seq in den letzten Jahren in viele Felder der biomedizinischen Forschung Einzug gehalten (1) und zu einem Paradigmenwechsel in der Analyse vieler biologischer System geführt (2). Das zentrale Problem von scRNA-seq hierbei war allerdings bisher, dass eine einzelne Zelle nur einmal, d.h. zu einem Zeitpunkt, analysiert werden konnte.

 

Weiterlesen