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Über die Evolution des Hepatitis-B-Virus seit der Steinzeit

Lukas Weseslindtner

Obwohl Neuinfektionen mit Hepatitis B Virus (HBV) durch eine Zunahme der Durchimpfungsraten in den letzten Jahren weltweit abnehmen, gehört die Hepatitis B noch immer zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. So sind laut Schätzungen der WHO weltweit ca. 257 Millionen Menschen chronisch mit HBV infiziert, wobei Länder aus Afrika und der Westpazifischen Region die höchste Prävalenz aufweisen (hier sind jeweils etwa 6% der Bevölkerung chronische Virusträger). In endemischen Gebieten kommt es dabei häufig zur perinatalen Übertragung der infizierten Mutter auf das Neugeborene oder zu einer horizontalen Transmission (z.B. durch blutige Kontamination) im frühen Kindesalter, was wiederum mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen chronischen Verlauf (ca. 90% bei der perinatalen und 30% bei der  horizontalen Mutter-Kind-Übertragung) einhergeht. Die chronische Hepatitis B stellt vor allem dadurch ein schwerwiegendes globales Gesundheitsproblem dar, da sie häufig zur Entstehung von Leberzirrhose und Leberzellkarzinom führen kann, und laut Berechnungen der WHO versterben jährlich mehr als 800.000 Menschen an diesen schwerwiegenden Folgeerkrankungen. Die Hepatitis B fordert somit weltweit etwa so viele Todesopfer wie die Tuberkulose und mehr als HIV und Malaria. Trotz ihrer Häufigkeit und Bedeutung wusste man bis vor kurzem allerdings nur sehr wenig über den Ursprung und die evolutionäre Geschichte dieser folgenschweren Infektionskrankheit.

 

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Mit dem Schleppnetz erfolgreich: Forscher entdecken neue Cytomegalovirus-Rezeptoren

Cora Stegmann, Jens von Einem und Christian Sinzger

Das humane Cytomegalovirus (HCMV) gehört zu den humanpathogenen Herpesviren und ist weltweit verbreitet mit einer Prävalenz zwischen 40 und über 90 Prozent. Wie alle Herpesviren verbleibt es nach der Erstinfektion lebenslang im Organismus und kann aus diesem Latenzzustand reaktiviert werden, sich erneut im Körper ausbreiten und über Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden. In der Regel geschehen sowohl die Primärinfektion als auch die Reaktivierung unbemerkt ohne klinische Auffälligkeiten. Bei immunsupprimierten Personen oder bei Infektion des Fetus während einer Schwangerschaft können jedoch Krankheitssymptome in nahezu allen Organen auftreten, wobei insbesondere neuronale Entwicklungsstörungen beim Fetus und die Pneumonie bei immunsupprimierten Patienten klinisch relevant sind. Antiviral wirksame Hemmstoffe viraler Enzyme, die zur Vermehrung und Verpackung des viralen Genoms beitragen, sind zwar verfügbar, ihr Einsatz ist jedoch in einigen Fällen durch Nebenwirkungen oder die Entwicklung von Resistenzen eingeschränkt.
Es ist abzusehen, dass auf der Suche nach neuen antiviral wirksamen Substanzen auch Hemmstoffe des Viruseintritts (Entry-Inhibitoren) an Bedeutung gewinnen werden. Grundlage hierfür ist es, die molekularen Interaktionen bei Adsorption und Penetration zu kennen. Bei HCMV war seit langem vermutet worden, dass ein trimerer Hüllglykoprotein-Komplex (gH/gL/gO, Trimer) und ein pentamerer Hüllglykoprotein-Komplex (gH/gL/pUL128/pUL130/pUL131, Pentamer) beim Viruseintritt zelltypabhängig unterschiedliche zelluläre Rezeptoren benutzen [1,2]. Während der “platelet-derived growth factor receptor alpha” (PDGFRα) kürzlich als Interaktionspartner des Trimers auf Fibroblasten identifiziert und PDGFRα-Derivate als Entry-Inhibitoren von HCMV beschrieben wurden [3–5], war der Rezeptor des Pentamer-Komplexes auf Endo- und Epithelzellen weiter unbekannt.

 

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