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Neue Kenntnisse zum Hepatitis D Virus:
Verwendung alternativer  viraler Hüllproteinen zur Generierung  infektiöser Virionen und Verbreitung Hepatitis D-ähnlicher Viren im Tierreich unabhängig von Hepatitis B Virus

Michael Roggendorf und Franz X. Heinz

Das Hepatitis Delta Virus (HDV) ist ein kleines  RNA Virus mit einem Durchmesser von  36 nm, das für seine Vermehrung das Hepatitis B Virus (HBV) als Helfer benötigt. Die HDV-HBV Koinfektion verursacht  beim Menschen die schwerste Form einer chronischen viralen Hepatitis. Laut Weltgesundheitsorganisation sind weltweit circa 257 Millionen Menschen chronische Hepatitis B Virusträger und davon geschätzte 10 – 20% mit dem HDV chronisch infiziert (1). Eine Koinfektion mit beiden Viren führt in circa 90 % der infizierten Erwachsenen zu einer Ausheilung der Hepatitis B und D. Eine Superinfektion von HBV-Trägern mit HDV führt allerdings in mehr als 90 % der Infizierten zu einer chronischen Hepatitis mit einer erhöhten Inzidenz von Leberzirrhose und Leberzellkarzinom.

Nach der Entdeckung von HDV (1977) in Leberbiopsien von Patienten mit chronischer Hepatitis B wurde klar, dass das Ribonukleoprotein (RNP) dieses inkompletten Virus  alle 3  Hüllproteine des Hepatitis B Virus verwendet um infektiöse Partikel zu generieren und damit eine rezeptorvermittelte Infektion von Hepatozyten ermöglicht. Dieses RNP ist ein  Multimer von  ca. 70 Kopien  des Delta Antigens (HDAg) und enthält   eine  Kopie  einer  zirkulären  einzelsträngigen   RNA (1.7 kb), die hohe Selbstkomplementarität besitzt und dadurch eine im EM sichtbare  stäbchenförmige  Konformation aufweist. Das HDV Genom hat nur einen offenen Leserahmen, der für zwei variante Proteine kodiert: das ‚small‘ HDAg (S-HDAg) und das  ‚large‘ HDAg (L-HDAg).

 

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Über die Evolution des Hepatitis-B-Virus seit der Steinzeit

Lukas Weseslindtner

Obwohl Neuinfektionen mit Hepatitis B Virus (HBV) durch eine Zunahme der Durchimpfungsraten in den letzten Jahren weltweit abnehmen, gehört die Hepatitis B noch immer zu den häufigsten Infektionskrankheiten überhaupt. So sind laut Schätzungen der WHO weltweit ca. 257 Millionen Menschen chronisch mit HBV infiziert, wobei Länder aus Afrika und der Westpazifischen Region die höchste Prävalenz aufweisen (hier sind jeweils etwa 6% der Bevölkerung chronische Virusträger). In endemischen Gebieten kommt es dabei häufig zur perinatalen Übertragung der infizierten Mutter auf das Neugeborene oder zu einer horizontalen Transmission (z.B. durch blutige Kontamination) im frühen Kindesalter, was wiederum mit einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen chronischen Verlauf (ca. 90% bei der perinatalen und 30% bei der  horizontalen Mutter-Kind-Übertragung) einhergeht. Die chronische Hepatitis B stellt vor allem dadurch ein schwerwiegendes globales Gesundheitsproblem dar, da sie häufig zur Entstehung von Leberzirrhose und Leberzellkarzinom führen kann, und laut Berechnungen der WHO versterben jährlich mehr als 800.000 Menschen an diesen schwerwiegenden Folgeerkrankungen. Die Hepatitis B fordert somit weltweit etwa so viele Todesopfer wie die Tuberkulose und mehr als HIV und Malaria. Trotz ihrer Häufigkeit und Bedeutung wusste man bis vor kurzem allerdings nur sehr wenig über den Ursprung und die evolutionäre Geschichte dieser folgenschweren Infektionskrankheit.

 

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