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Neuer Test ermöglicht eindeutigen Nachweis von Zika-Virus-Infektionen                                      (pdf-Version)

Ulm, April 2016 - Ein neuer Test ermöglicht erstmals die eindeutige Diagnose einer durchgemachten Zika-Virus-Infektion. Dies stelle eine wichtige Erleichterung für eine rasche Diagnose und die Erfassung der Infektionen dar, teilt die Gesellschaft für Virologie mit. Schwangere Reiserückkehrerinnen, die sich wegen einer möglichen Infektion sorgten, müssten künftig nicht mehr mehrere Tage auf ein Testergebnis warten, sondern haben bereits nach wenigen Stunden Gewissheit.

Forscher der Universitätsklinik Freiburg und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin konnten in einer aktuellen Untersuchung erstmalig den Nutzen eines neuen, kommerziellen Bluttests auf Antikörper belegen. „Dieser Test erkennt Zika-Virus-Antikörper zuverlässig und zeigt – im Gegensatz zu anderen Methoden – keine Kreuzreaktivität mit anderen verwandten Viren“, erklärt GfV-Expertin Dr. med. Daniela Huzly, Leiterin der Diagnostik am Institut für Virologie der Universitätsklinik Freiburg.

„Einen verlässlichen und schnellen Test zum spezifischen und sensitiven Nachweis von Zikavirus-Antikörpern zu Verfügung zu haben, stellt eine große Erleichterung für mögliche Infizierte und Ärzte dar“, so Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie. „Insbesondere für schwangere Reiserückkehrerinnen ist es – allein schon aus psychologischen Gründen – wichtig, rasch zu wissen, ob sie infiziert wurden oder nicht.“

Die Diagnostik des Virus stellte Ärzte und Wissenschaftler bisher vor Herausforderungen: Bei einem akut erkrankten Patienten lässt sich das Zika-Virus durch einen Virus- Direktnachweis, einen sogenannten PCR-Test, feststellen. Der Nachteil: Dieser Test funktioniert nur in den ersten Tagen einer Erkrankung. „Da der PCR-Nachweis nur in einem sehr kurzen Zeitraum sicher möglich ist, muss bei den meisten Patienten eine serologische Untersuchung erfolgen, also ein Test auf Antikörper“, erklärt Dr. Huzly.

Aber: Die Antikörper, die der Körper gegen Zika-Viren bildet, weisen in den meisten bisherigen Bluttests eine ausgeprägte Kreuzreaktivität mit Antikörpern gegen verwandte Viren auf. Ein solcher Test reagiert also auch dann positiv, wenn Antikörper gegen andere Erreger im Blut zirkulieren, etwa Antikörper gegen das FSME-, Gelbfieber- oder das Dengue-Virus. Diese Problematik stellt sich nicht nur bei Patienten, die eine dieser Erkrankungen bereits durchgemacht haben, sondern auch bei jenen, die in der Vergangenheit gegen eines dieser Viren geimpft wurden.

„Weitere, aufwändige Tests mussten deshalb folgen, um herauszufinden, ob ein Patient tatsächlich mit dem Zika-Virus infiziert ist“ so Huzly. Diese können auch nur in wenigen Speziallaboren stattfinden, etwa am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Der neue Test hingegen ermögliche eine sehr viel weniger aufwändige Diagnostik und könne prinzipiell in jedem Labor vorgenommen werden, welches routinemäßig Antikörperbestimmungen durchführt.

Die Gesellschaft für Virologie empfiehlt in Übereinstimmung mit dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin die Abklärung einer möglichen Zika-Virus-Infektion bei schwangeren Reiserückkehrerinnen, die sich in einem Zika-Virus Verbreitungsgebiet aufgehalten haben sowie bei Männern, die aus einem Verbreitungsgebiet zurückgekehrt sind und eine schwangere Partnerin haben. In beiden Fällen sollte die Abklärung auch dann erfolgen, wenn keine Symptome einer Erkrankung vorliegen. Des Weiteren können sich Reiserückkehrer, die Symptome einer Zika-Virus Infektion hatten - Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Hautausschlag und eine Bindehautentzündung – darauf testen lassen, ob sie eine Infektion durchgemacht haben. Eine Infektion verläuft in den meisten Fällen jedoch relativ mild.

Abdruck erwünscht – Beleg erbeten

Quellen:
- Newsletter der Gesellschaft für Virologie, 4/2016, http://www.g-f-v.org/Newsletter
- Huzly D, Hanselmann I, Schmidt-Chanasit J, Panning M. High specificity of a novel Zika
virus ELISA in European patients after exposure to different flaviviruses.
Euro Surveill.
2016;21(16):pii=30203. DOI: http://dx.doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2016.21.16.30203

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Gesellschaft für Virologie setzt auf Impfstoffplattformen:                                               (pdf-Version)
Impfstoffe gegen Zika und Co. müssen entwickelt werden
Ulm 22.02.2016 – SARS, MERS, Ebola und jetzt Zika. Erneut breitet sich eine Viruserkrankung aus, gegen die kein Impfstoff zur Verfügung steht. Allerdingszeichnen sich jetzt technologische Möglichkeiten ab, die die Impfstoffentwicklung beschleunigen könnten. Mit sogenannten „Impfstoffplattformen“ können Forscher schneller auf bekannte und neue Erreger reagieren. Dies dürfe aber nicht, wie bei Ebola, erst während eines Ausbruchs passieren, fordert die Gesellschaft für Virologie (GfV). Die GfV-Experten nennen zudem weitere Erreger, gegen die frühzeitig Vakzine entwickelt werden sollten.

Von der Entwicklung eines Impfstoffs bis zur Anwendung kann es ein langer Weg sein. „Bei Ebola war die Epidemie bereits vorbei, als die Vakzine beim Menschen eingesetzt werden konnten“, berichtet Professor Dr. med. Hans-Dieter Klenk, ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg. „Viele Leben hätten gerettet werden können, wären Phase-1-Studien frühzeitig durchgeführt worden“, mahnt der GfV-Experte. Denn am Tier erfolgreich getestete Ebola-Impfstoffe gab es bereits lange vor dem schweren Ausbruch, der ab 2014 in Westafrika stattfand. „Dieser war damals jedoch nie am Menschen getestet worden“, bedauert Klenk.

Erst letztes Jahr wurden die Ebola-Impfstoffe innerhalb weniger Monate klinisch getestet und könnten bei einem erneuten Ausbruch sofort eingesetzt werden. Beim Zika-Virus wird die klinische Prüfung vermutlich länger dauern, befürchtet Klenk. Die Infektion verlaufe im Gegensatz zu Ebola in der Regel sehr mild. Der Zusammenhang zwischen der Infektion und vermuteten schweren Komplikationen wie etwa Mikrozephalie und das Guillain-Barré-Syndrom wird noch erforscht. Dieser Umstand stelle sehr hohe Anforderungen an die Sicherheit eines Impfstoffs. „Schädliche Nebenwirkungen, die bei einem Impfstoff gegen eine fast immer tödlich verlaufende Virus-Erkrankung eher in Kauf genommen werden, wären bei einem Impfstoff gegen das Zika-Virus nicht akzeptabel.“

Der derzeit vielversprechendste Ansatz, um Impfstoffe künftig schnell zu entwickeln, sind laut GfV-Experten „Impfstoffplattformen. Hier werden Impfstoffe nach einem einheitlichen, bereits geprüften Muster hergestellt. Als Basis dienen Viren, die beim Menschen keine Krankheiten verursachen. Dazu gehören das Virus der Vesikulären Stomatitis (VSV) und das mit dem Pockenimpfstoff verwandte Modified-Vaccinia-Ankara-Virus (MVA). Diesen Trägerviren bauen Forscher für die Immunität wichtige Gene des Krankheitserregers ein, gegen den man impfen will. „Bei der Entwicklung des Ebola-Impfstoffs hat diese Strategie ihre Bewährungsprobe bestanden, sagt der GfV-Experte Klenk. Auf ähnliche Weise würden Impfstoffe gegen SARS und MERS konstruiert. In absehbarer Zeit wird es auch einen ersten Impfstoff gegen das Zika-Virus geben, ist sich Professor Klenk sicher. Am US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases sowie am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben die Vorarbeiten bereits begonnen. Einzelne Firmen haben ebenfalls Bereitschaft signalisiert, das Vorhaben zu unterstützen.

„Die Impfstoffentwicklung darf zukünftig nicht erst einsetzen, wenn schwere Ausbrüche Menschenleben fordern“, so Klenk. Er nennt weitere Erreger, die derzeit wenig Aufsehen verursachen, aber das Potential für größere Ausbrüche mitbringen: „Dazu gehören das mit dem Ebola-Virus nahe verwandte Marburg-Virus, das ebenfalls in Afrika verbreitete Lassa-Virus und das Nipah-Virus in Südostasien. Auch das Krim-Kongo-Fieber-Virus, das je nach Stamm eine Sterblichkeit von bis zu 50 Prozent aufweist, und das Rifttalfieber-
Virus seien bekannt, aber noch zu wenig erforscht. Hingegen hätten Forscher bereits mit der Impfstoffentwicklung gegen das Chikungunya-Virus begonnen und ein Dengue- Impfstoff sei in Brasilien schon zugelassen. Auch wenn dessen Wirksamkeit noch verbessert werden muss, könnte er als Basis für einen Impfstoff gegen das Zika-Virus dienen, so Klenk.

Abdruck erwünscht – Beleg erbeten
Quellen:
Ankündigung der US-Regierung zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Zika-Virus
https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2016/02/08/fact-sheet-prepar...
Weitere Pressemeldungen: http://www.g-f-v.org/pressemitteilungen

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Diagnose und sexuelle Übertragung                                                                                       (pdf-Version)
Gesellschaft für Virologie gibt Tipps für Reiserückkehrer aus Zika-Gebieten
Ulm, 04.02.2016 – Aktuell zirkuliert das Zika-Virus in Brasilien und mehr als zwanzig Staaten, zwei bis vier Millionen Menschen sollen infiziert sein. Für Reiserückkehrer aus diesen Ländern stellt sich die Frage, wie sie eine Infektion mit Zika-Viren ausschließen können und ob das Virus sexuell übertragbar ist. In ihrer aktuellen Stellungnahme „Facts und Fiction zu Zika“ hat die Gesellschaft für Virologie (GfV) wesentliche Informationen und den aktuellen Kenntnisstand zu diesen Fragestellungen zusammengetragen.

Aufgrund des Zika-Virus-Ausbruchs in Süd- und Mittelamerika hat die WHO am 1. Februar 2016 den „globalen Gesundheitsnotstand“ ausgerufen. Im Allgemeinen verlaufen Infektionen mit dem Zika-Virus mild und zu 70 bis 80 Prozent asymptomatisch. Bei den übrigen Betroffenen treten drei bis zwölf Tage nach dem Mückenstich Fieber, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen, eine Bindehautentzündung , Schwächegefühl oder auch ein juckender Hautausschlag auf.

Die Diagnose der frischen Infektion gelingt durch Nachweis der viralen RNA im Blut: „Nach unserem jetzigen Kenntnisstand ist dieser zuverlässige Nachweis allerdings nur in den ersten Erkrankungstagen regelmäßig möglich, etwas länger offenbar im Urin“, so Professor Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der Gesellschaft für Virologie vom Universitätsklinikum Ulm. Dieser Nachweis des Virus-Erbguts könne derzeit nur in spezialisierten Laboratorien erfolgen. Zwar steht seit kurzem ein Testsystem zur Verfügung, um Zika-spezifische Antikörper aufzuspüren, die auch nach Beendigung der Infektion lange im Blut zirkulieren und zum Nachweis einer zuvor durchgemachten Infektion dienen könnten. „Dieses neue System ist aber noch nicht abschließend evaluiert und erlaubt noch keinen sichere Diagnose“, so Mertens.

Da auch eine sexuelle Übertragung des Zika-Virus über die Samenflüssigkeit von akut infizierten Männern anhand der derzeitigen Studienlage nicht ausgeschlossen werden kann, rät Professor Dr. rer. nat. Susanne Modrow, GfV-Expertin von der Universität Regensburg: „Reiserückkehrer aus Endemiegebieten, bei denen eine akute Zika-Virusinfektion nicht ausgeschlossen werden kann, können sicherheitshalber für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden – egal ob beim Partner eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht.“ Studien dazu, wie lange das Virus im Blut und im Sperma verweilen kann, liegen jedoch bisher nicht vor.

Weitere Informationen zur Gefährdung von Schwangeren in Endemiegebieten und in Deutschland beschreibt die GfV in ihrer aktuellen Stellungnahme.

Abdruck erwünscht – Beleg erbeten
Quellen:
Stellungnahme der GfV: http://www.g-f-v.org/node/158
PAHO/WHO et al. “Provisional remarks on the Zika virus infection in pregnant women”, 25. Januar 2016
Musso D et al. „Detection of Zika virus in saliva”, J Clin Virol. 2015 Jul; 68:53-5. doi: 10.1016/j.jcv.2015.04.021.
Foy et al. “Probable non-vector-borne transmission of Zika virus, Colorado, USA” Emerg Infect Dis. 2011 May;17(5):880-2. doi: 10.3201/eid1705.101939.
weitere Pressemeldungen: http://www.g-f-v.org/pressemitteilungen

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Zika
Gesellschaft für Virologie sieht keine Gefahr für Deutschland
Ulm 29.01.2016 – Dengue- und Zika-Viren nutzen denselben Überträger, um sich zu verbreiten – die Mückenart Aedes aegypti. Die Globalisierung und der Klimawandel haben dazu geführt, dass sich eine verwandte Art, die Dengueund vielleicht auch Zika-Virus übertragen kann, inzwischen auch in Südeuropa und Süddeutschland niedergelassen hat – jedoch nur in sehr geringer Häufigkeit. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) sieht jedoch keine Gefahr für Deutschland: „Das Zika-Virus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln“, so der GfV-Experte Professor Dr. med. Christian Drosten. Zudem bestünde Hoffnung, dass sich das Virus schlussendlich selbst eindämmen würde (weiter lesen).

 

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