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Weltgesundheitstag am 7. April 2014 zum Motto „Vektorübertragene Krankheiten“

Gefahr durch Zecken in Deutschland oft unterschätzt

Ulm, März 2014 – Vor der Reise in die Ferne ist der Gang zum Impfarzt für die meisten Menschen selbstverständlich. Was aber, wenn es in den Schwarzwald geht oder ins Berchtesgadener Land? Denn auch dort lauern Viren, gegen die sich jeder schützen sollte: In bestimmten Gebieten in Deutschland und Europa sind Zecken aktiv, die den Erreger für FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) übertragen. Diese Flaviviren vermögen eine Hirn- und Hirnhautentzündung auszulösen, die tödlich enden kann. „Viele Menschen unterschätzen die Gefahr, die von Zecken ausgeht“, sagt Professor Dr. phil. Franz X. Heinz, Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie (GfV). Vor FSME schützt nur eine Impfung. Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben, eine Reise dorthin planen und sich in der Natur aufhalten, sollten diese spätestens Anfang März nachholen, so die Empfehlung der GfV. Denn eine spezielle Therapie der FSME existiert nicht.

Dank des milden Winters sind schon jetzt Zecken in einigen Gegenden aktiv. In Deutschland sind 20 Arten davon heimisch, darunter der Gemeine Holzbock, der das FSME-Virus überträgt. Die Zecken erwachen mit den jetzt steigenden Temperaturen im Frühjahr aus ihrer Winterstarre, lieben es feucht und halten sich gerne auf Wiesen und im Unterholz auf. Ein Infektionsrisiko besteht daher in der gesamten warmen Jahreszeit von Frühjahr bis in den Spätherbst.

Die meisten FSME-Infektionen erfolgen bei Freizeitaktivitäten, aber auch bei Menschen, die beruflich in der Natur tätig sind. Das FSME-Virus zirkuliert hauptsächlich zwischen Zecken und Mäusen, aber auch viele andere Tiere, unter anderem Rehe, Wildschweine, Ziegen oder Rinder sind infizierbar. „Am besten lassen sich Menschen, die in den bekannten FSME-Risikogebieten leben und sich viel in der Natur aufhalten, bereits im Winter impfen. Aber auch jetzt, mit Beginn der warmen Jahreszeit, ist es noch nicht zu spät“, so der GfV-Experte Heinz. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Teilimpfungen. Für einen mehrjährigen Schutz ist eine dritte Impfung nach etwa einem Jahr nötig.

In Deutschland kommt das FSME-Virus vor allem in Bayern und Baden-Württemberg vor sowie in Südhessen, Thüringen und Teilen von Nordhessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland vor. „Diese bekannten Risikogebiete bestehen relativ stabil“, erklärt Heinz. Möglicherweise als Folge der Klimaveränderungen kamen in den letzten Jahren jedoch neue Verbreitungsgebiete des FSME-Virus hinzu, etwa in Nordeuropa, in Alpentälern und in einigen Mittelgebirgsregionen. Allein im Jahr 2013 wurden dem Robert Koch-Institut 420 Infektionen gemeldet. „Etwa ein Prozent der Fälle endet tödlich“, betont der Leiter des Departments für Virologie an der Medizinischen Universität Wien.

Angesichts der zunehmenden Ausbreitung widmet sich auch der Weltgesundheitstag am 7. April2014 dem Thema „Vektorübertragene Krankheiten“. Zecken dienen nicht nur dem FSME-Virus als Vektor. Viel häufiger übertragen sie Bakterien, die Borreliose auslösen. Im Gegensatz zur FSME gibt es gegen Borreliose keine Impfung. Vorbeugen kann man ausschließlich mit langärmliger Kleidung, Repellents und, indem man die Zecke schnell entfernt. Kommt es dennoch zu einer Infektion, kann diese mit einem Antibiotikum behandelt werden.

„Eine ursächliche Therapie der FSME hingegen ist nicht möglich“, warnt Professor Heinz. Auch deshalb rät die Gesellschaft für Virologie zur Impfung. Von allen Ländern in Europa liegt Österreich in Sachen Impfung vorn. „Etwa 85 Prozent der gesamten Bevölkerung erhielten zumindest die erste von drei Impfungen“, berichtet Heinz. Dadurch sei die Zahl der Erkrankungsfälle drastisch zurückgegangen. Eine aktuelle Karte der FSME-Risikogebiete ist auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (www.rki.de) abrufbar.

Quellen:

- Skript Professor Heinz
- Robert Koch-Institut: www3.rki.de/SurvStat/
- „Die Zecke – das gefährlichste Tier Deutschlands“ (B. Funk) http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1323608
- „Zeckenübertragene Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“ (H.-I. Huppertz) Pädiatrie up2date 4/2013, http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1353607

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