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  Gesellschaft für Virologie
Willkommen auf der Homepage der Gesellschaft für Virologie. Diese Gesellschaft existiert seit 1990 und vereinigt derzeit ca. 900 Virologen aus dem deutschsprachigen Raum.

Auf dieser Seite finden Sie kurze allgemeinverständliche Stellungnahmen zu aktuellen Themen aus der Virologie. Ausführlichere Texte sind unter den entsprechenden Links zu finden.

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  „Qualität statt Quantität“ DFG setzt Regeln gegen Publikationsflut
(23.02.2010) Unter dem Motto „Qualität statt Quantität“ schlägt die DFG Pflöcke gegen die Publikationsflut in der Wissenschaft ein. Auf einer Pressekonferenz am 23. Februar 2010 in Berlin stellte die DFG neue Regelungen für Publikationsangaben in Förderanträgen und Abschlussberichten.
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  Blauzungenkrankheit in Deutschland
Jörn Gethmann, Franz Josef Conraths und Thomas C. Mettenleiter
Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit

Im Jahr 2006 trat, von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, in Deutschland erstmals eine Arbovirusinfektion auf, die bisher als ‚exotisch’ eingestuft wurde. Die durch Gnitzen übertragene Blauzungenkrankheit führte schon im folgenden Jahr mit mehr als 20.000 gemeldeten Infektionen zu einer schweren Epidemie, der Tausende von Rindern und Schafen zum Opfer fielen. Das Szenario gleicht dem der West-Nil-Virus-Epidemie in den USA und zeigt die Gefahren, die von der Einschleppung ‚exotischer’ Erreger ausgehen können.


Die Blauzungenkrankheit ist eine durch Arthropoden übertragene (arbo=arthropod-borne) Virusinfektion bei Wiederkäuern und Kameliden, die durch das Bluetongue-Virus (BTV), ein Orbivirus aus der Familie der Reoviridae, verursacht wird. Derzeit sind 24 verschiedene BTV Serotypen bekannt. Als Vektor fungieren blutsaugenden Mücken (Gnitzen) der Gattung Culicoides. Die Infektion hat sich im letzten Jahrzehnt aus Afrika und Asien in einige der europäischen Mittelmeeranrainerstaaten ausgebreitet. Dies ging mit einer entsprechenden Habitaterweiterung des Hauptvektors Culicoides imicola einher, der in Deutschland jedoch nicht vorkommt. Nach der Übertragung von BTV durch den Stich einer infizierten Mücke kommt es beim empfänglichen Säugetier zu einer Infektion der regionalen Lymphknoten und anschließend zu einer Virämie mit einer Zerstörung der Endothelzellen in den kleinen Blutgefäßen. Die Virämie dauert ca. 40-60 Tage (EFSA 2007b), BTV-spezifische Nukleinsäuren können mit der PCR jedoch noch wesentlich länger festgestellt werden (bis zu 220 Tage bei Rindern). Rinder und Schafe bilden nach einer überstandenen Infektion eine lang anhaltende Immunität aus, die mehrere Jahre und möglicherweise sogar lebenslang bestehen bleiben kann (Ward, 1997). Die Übertragung findet in gemäßigten Breiten überwiegend in der warmen Jahreszeit statt, da die Gnitzen in den Wintermonaten weitgehend absterben oder wenig aktiv sind und sich das Virus erst ab einer Temperatur von mehr als 15 °C in den Gnitzen vermehrt (EFSA 2007b).


An BT erkranktes Lamm, ca. 4 Wochen alt, mit fibrinösen und eitrigen Auflagerungen sowie Läsionen an der Zunge. Bild: Gethmann, FLI 2007


Im August 2006 wurde die Blauzungenkrankheit erstmals in Deutschland festgestellt, nachdem wenige Tage zuvor in den Niederlanden und Belgien Ausbrüche gemeldet worden waren. Es handelte sich um eine Infektion mit dem Serotyp 8 (BTV-8), der zuvor nur in Südafrika, Asien und der Karibik nachgewiesen wurde (Conraths 2007). Die Krankheit trat zunächst in Nordrhein-Westfalen im Grenzgebiet zu Belgien und den Niederlanden auf und breitete sich bis Jahresende über weite Teile Nordrhein-Westfalens aus (Abb. 1). Auch aus Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen wurden Ausbrüche gemeldet. Insgesamt wurden im Jahre 2006 890 Fälle festgestellt und im Tierseuchennachrichtensystem (TSN) registriert (Abb. 2).




Die klinischen Erscheinungen einer Infektion mit BTV-8 sind vielfältig. Häufigste Symptome bei Schafen sind Fieber, Speichelfluss, Ödeme am Kopf, Apathie und Müdigkeit, Dysphagie, Lahmheit, Rötung/Erythem der Maulschleimhaut, Paresen, Schwäche, Hyperämie der Zunge und Kronsaumentzündungen (EFSA 2007a; Elbers, A 2008). Es treten erhebliche Mortalitäten auf. Bei Lämmern wurde ein verzögertes Wachstum beobachtet. Bei Rindern wurden am häufigsten Krusten und Läsionen der Nasenschleimhaut, Speichelfluss, Fieber, Bindehautentzündungen, Dysphagie, Nasenausfluss, Apathie, Müdigkeit, Lahmheiten, Hyperämie der Zitzen und Zitzenläsionen beobachtet (EFSA 2007a; Elbers, A 2008). Außerdem wurde von verstärkten Klauenproblemen und einem starken Rückgang der Milchleistung berichtet (Conraths, FJ; 2007). Ein zwischen April 2007 und Mai 2008 durchgeführtes Monitoringprojekt ergab, dass in Deutschland heimische, paläarktisch verbreitete Gnitzenarten insbesondere der C. obsoletus-Gruppe für die Verbreitung von BTV in Mitteleuropa verantwortlich sind (Hoffmann, B 2009). C. imicola wurde dagegen in Deutschland bisher nicht nachgewiesen.

Im Jahr 2007 trat die Krankheit in Mai erstmals auf und breitete sich bis Ende des Jahres rapide aus. Bundesweit wurden insgesamt 20.626 Fälle gemeldet (Abb. 2). Die Blauzungenkrankheit hatte sich bis dahin fast über die gesamte westliche Hälfte des Bundesgebietes flächendeckend ausgebreitet und zumindest mit einzelnen Fällen auch die meisten übrigen Bundesländer erreicht (Abb. 1). Insbesondere bei Schafbetrieben führte die Blauzungenkrankheit zu hohen Verlusten. Laut Auskunft der Tierseuchenkassen der Länder wurden im Jahr 2007 entsprechende Entschädigungsanträge für 10.240 Rinder und 33.323 Schafe gestellt. Hieraus errechnet sich z.B. in Nordrhein-Westfalen eine Mortalität bei Schafen von ca. 13 %. Neben den wirtschaftlichen Schäden durch die Tierverluste kam es zu weiteren Schäden: So ergab eine Untersuchung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (Landwirtschaftskammer NRW 2009), dass die Blauzungenkrankheit in Milchviehbeständen pro Kuh und Jahr ein Verlust von ca. 197 € verursacht habe. Schäden in anderen Haltungsformen (z.B. Mutterkuhhaltung, Rindermast, Schaf- und Ziegenhaltung) sind hierbei noch nicht berücksichtigt. Auch Wildwiederkäuer sind von der Blauzungenkrankheit betroffen. So wurden im Zeitraum August 2007 bis April 2008 insgesamt 93 Fälle bei Boviden, Damwild, Muffelwild, Rehwild und Rotwild festgestellt (Quelle: TSN).

Aufgrund der schnellen Ausbreitung der Blauzungenkrankheit und der hohen Verluste besonders im Jahr 2007 verständigten sich die EU-Mitgliedsstaaten im Januar 2008 darauf, flächendeckend mit inaktivierten Impfstoffen gegen BTV-8 zu impfen (EC, 2008). Da Anfang 2008 in Deutschland keine zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung standen und die Angaben der Hersteller über die Sicherheit der Impfstoffe für eine verpflichtende, flächendeckende Impfung nicht ausreichten, führte das Land Mecklenburg-Vorpommern eine Feldstudie durch, die vom Friedrich-Loeffler-Institut wissenschaftlich begleitet wurde (Gethmann J 2009, Eschbaumer M 2009). Nachdem in dieser Studie die Unschädlichkeit und Wirksamkeit der drei getesteten inaktivierten Vakzinen festgestellt wurde, begann im Mai 2008 die flächendeckende Impfung. Bis Ende des Jahres 2008 wurden bis zu 80% der Rinder, Schafe und Ziegen geimpft. Auswertungen zur Pharmakovigilanz der Impfstoffe belegen, dass sie gut vertragen werden (Hoffmann A 2009). Trotzdem wurden zwischen Mai 2008 und April 2009 3.235 Neuausbrüche/Fälle gemeldet (Abb. 2). Dies lag vermutlich an der späten Verfügbarkeit der Impfstoffe, so dass die Tiere teilweise erst spät in der Ausbruchssaison einen zuverlässigen Impfschutz ausgebildet hatten.
Die Anzahl der gemeldeten Ausbrüche/Fälle ging 2008 im Vergleich zu 2007 drastisch zurück und eine weitere Ausweitung des Endemiegebietes nach Osten und Südosten konnte weitgehend verhindert werden (Abb 1).

Im Jahr 2009 wurde die Impfkampagne fortgeführt. Seit Mai 2009 wurden bisher erst neun Fälle/Ausbrüche bei Rindern festgestellt. Trotz dieser Erfolge votiert eine Mehrheit der Bundesländer gegen die Fortführung der Pflichtimpfung.
Insgesamt zeigt dieses Szenario, mit welchen enormen Konsequenzen beim erstmaligen Auftreten einer ‚emerging disease’ zu rechnen ist. Im Falle der BTV-Infektion, die in Deutschland vorher nie aufgetreten war, hatte sich 2007 in einigen Bundesländern ein endemisches Geschehen entwickelt, das nur durch den massiven Einsatz von in kürzester Zeit neu entwickelten Impfstoffen eingedämmt werden konnte. Es bleibt abzuwarten, ob diese positive Entwicklung nach der anstehenden Aufhebung der Pflichtimpfung anhält.





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  Ausschreibung: Innovationspreis der deutschen Hochschulmedizin 2010
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